Trailrunning – Über 7 Hütten und die Rappinschlucht

Vor einem Jahr hab ich diese Tour geplant und jetzt war es endlich soweit. Eigentlich waren Abschnitte zum biken gedacht und irgendwie wollte ich diese erst begehen oder laufen, bevor ich es mit MTB angehe. Da es allerdings von der Länge die eines Halbmarathons entspricht und dazu noch über 1000 Höhenmeter kommen, wurde der Trailrun immer wieder verschoben.
Die Angst es nicht zu schaffen, der Gedanke daran, was ist wenn ich irgendwo mit den Kräften am Ende bin. Nachdem ich erst seit dem Frühjahr 2020 richtig mit dem Laufen begonnen habe, waren da die Zweifel groß.

Nachdem ich Anfang des Sommers 2021 dann meinen härtesten Lauf hatte, der die Daten dieser Runde getoppt hatte, wusste ich das ich diese auch packen kann. Allerdings kamen immer wieder Gründe um sie nicht in die Tat umzusetzen. Mal keine Lust, mal zu schlechtes Wetter usw. Also Ausreden hab ich irgendwie immer wieder ausreichend gefunden.

Mitte Oktober war es dann eine spontane Aktion. Ich saß an einem Montag zu Hause im HomeOffice und ich dachte mir, komm Andy, heute gehst die Rappinschlucht an. Gegen Mittag bei meinem Chef abgemeldet, Laufrucksack gepackt, Trinkbeutel aufgefüllt und die Schuhe geschnürt und ab ging es nach Kochel. Ich war richtig gut drauf und hatte richtig Bock.

Los ging es über einen mir bekannten Wandersteig, der es gleich mal in sich hat. Auf die ersten zwei Kilometer wurden gleich mal gut 400 Höhenmeter bergauf geschraubt. Der Blick, über den Kochelsee, den man an einer versteckten Bank bestaunen darf ist wunderschön. Der Weg geht dann stellenweise parallel zur Forststraße hoch und schlängelt sich schön durch den Wald. Gerade im Herbst ist das Farbenspiel richtig schön anzusehen.

Nachdem man den schmalen Weg verlässt geht es etwas gemütlicher auf der Forststraße bis zur Kochler Alm. Diese ist oder war zwar nicht mehr bewirtet, liegt aber in einem schönen Kessel, wo man sich es auf einer der Bänke gemütlich machen und die Sonne genießen kann. Wenn man dann genauer hinsieht, kann man auch die Staffel-Alm entdecken, allerdings wählen wir hier nicht den Weg bergauf, sondern wählen den Weg abwärts. Denn ab jetzt beginnt der erste schöne Downhill auf schmalen Wegen. Dieser ist auch durch ein Schild für Biker gesperrt. Anfänglich konnte ich es nicht verstehen, da der Pfad wirklich zum Trailsurfen einlädt.

Irgendwann wird die idyllische Ruhe gestört. Der Weg wird steiler, die Serpentinen enger und schon erblickt man das getöse eines kleinen Wasserfalls. Wenn man unten angekommen ist, enteckt man einen zur linken Seite und einen weiteren zur rechten Seite. Einer in der Sonne, der andere im Schatten, aber beide sind wirklich schön anzusehen. Allerdings ist das Wasser zu dieser Jahreszeit schon etwas zu kalt für meinen Geschmack.

Wasserfall

Nun geht es eher flach über Wegelchen am Gebirgsbach entlang und über Wiesen bis zur Rappin-Alm. Ab dort beginnt dann ein weiteres Highlight der Tour. Die RAPPINSCHLUCHT. Man geht durch ein kleines Gatterl und auf einen Schlag steht man geschätzt gut 50 Metern vor einem Abgrund. Der Weg wird immer schmäler und man hangelt sich an der Felswand durch die Schlucht. Aber keine Angst, es ist keine Klettersteig o.ä. Aber man sollte definitiv Schwindel- und Trittsicher sein. Denn wenn man hier einen Fehler macht, dann kann man schnell ganz tief fallen.

Aber die Rappinschlucht ist sehr beeindruckend und faszinierend. Für das, dass sie bei mir ums Eck ist, ist es schon fast Schade, dass ich sie erst jetzt begangen habe. Gehört hab ich zwar schon viel oder oft davon, aber naja. Irgendwann ist dann doch das erste Mal. Allerdings zum Biken wäre es mir persönlich dann doch etwas zu riskant.

Rappinschlucht


Am Ende der Schlucht geht es dann über eine kleine Brücke und kommt auf die Fahrstraße, die von der Jachenau aus zu weiteren Almen führt. Dieser folgen wir nun auch wieder bergauf. Vorbei an der Lainl-Alm, die ebenfalls zu einer Einkehr einlädt schrauben wir uns auf dem breiten Schotterweg immer höher, bis wir auf den nächsten erstklassigen Trail kommen. Dieser geht am nächsten Bachlauf leicht erhöht entlang und gerade im Sommer kann man hier sich in den unzähligen Gumpen erfrischen.

Gebirgsbach mit Gumpen


Dann geht es nochmal richtig steil zur Sache. Von unten kann man die Walchen-Alm schon erkennen, aber der Anstieg hat es nochmal richtig in sich. Während des Aufstiegs bemerkt man gar nicht das schöne Panorama, welches hinter einem liegt. Aber an der Alm angekommen kann man bei einer kleinen Pause kurz inne halten.

Anschließen geht es über eine etwas ruppigeren Weg weiter und treffen auf auf die Forststraße, die wir weiter unten verlassen hatten. Jetzt kommen die letzten Höhenmeter zu unserem Abzweig ab dem es dann wieder talwärts geht. Aber, wer möchte, kann noch auf der Straße bis zur Staffelalm weiter laufen. Hier ist ebenfalls eine Einkehr möglich.

Anschließend einfach wieder den Weg zurück laufen und ab in den Trail zur Pessenbacher Schneid und dann nochmals steil abwärts bis zur Orterer Alm. Wer noch nicht genug hat von Hüttenschmankerln oder Pausen, der kann hier nochmal eine Rast einlegen. Aber wenn ich jeden Einkehrschwung auf der Tour mitgenommen hätte, dann wäre ich glaub ich eher ins Tal zurückgerollt. Egal ob beim Anstieg wieder in die gleiche Richtung zurück oder am Ende einfach nur noch zum Startpunkt.

Aber jetzt geht es erstmal im lockeren Laufschritt auf der Forststraße abwärts. An einer Stelle hat man bei guter Sicht sogar die Möglichkeit den Starnberger See zu sehen. Aber wir sind noch nicht fertig. Bevor wir ganz nach Pessenbach runterlaufen geht es noch einen Höhenweg in Richtung Kochel und dann nochmal auf Wurzelpfaden und Trails zu den Lainbachfällen. Hier gab es auch schon des öfteren Fotoshootings, hab allerdings noch keines mitgemacht, auch wenn ich ein paar Kurven zu bieten hätte. Sind aber vermutlich die falschen 😉
Vom beeindruckenden Wasserfall geht es jetzt am Lainbach entlang und wir erreichen in Kürze unsere Endstation. Am Auto angekommen musste ich erst einmal raus aus den Schuhen und meinen Füßen wieder etwas Freiheit geben.


Und was soll ich sagen. Es war glaub ich die abwechslungsreichste Trailrunning Runde die ich bisher gelaufen bin, auch wenn es bergauf häufig ein sehr langsames gehen war. Aber landschaftlich war es, vielleicht gerade weil es Herbst war, sehr beeindruckend, da es mit den Sonnenstrahlen und den unterschiedlichsten Farben der Blätter an ein richtiges buntes Märchen erinnerte. Durch die Stille und Einsamkeit, kam ich mir vor wie in einer anderen Zeit und es war so noch viel intensiver die Natur zu erleben und in der gesamten Zeit des Laufes vollkommen abzuschalten. Bis halt auf das eigene schnauben und keuchen.

Ich weiß jetzt schon, dass ich diese Tour mit Sicherheit nicht das letzte Mal gelaufen bin. Vielleicht das nächste Mal mit ein paar anderen Routenoptionen. Aber mal schauen.

Und noch mehr Infos zur Tour und den GPS-Track findet ihr wieder hier.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim nachlaufen, aber seid bitte vorsichtig, denn es sind schon ein paar Stellen dabei, die im Falle eines Sturzes ins Auge gehen können.

Euer Andy

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